Wer ist am 2. Januar schon auf Tourenskiern unterwegs?
Nicht allzu viele – und die sechs gut ausgeschlafenen SAC-Zermatt-Mitglieder, die es an diesem Tag waren, bereuten ihre Entscheidung nicht. Denn nebst einigem Improvisieren erlebten sie etwas,
das es in Zermatt so gut wie nie gibt: prächtig präparierte Pisten ganz ohne Alpin-Skifahrer.
Aber der Reihe nach: Geplant war ein Aufstieg aufs Klein Matterhorn ab Trockener Steg – also eine «Hochtour» unter Mithilfe der Seilbahnen. Doch es kam anders. An diesem sonnigen 2. Januar blies der Wind in höheren Lagen so heftig, dass der Bahnbetrieb in Richtung Italien bereits ab Furi eingestellt war. Unser Tourenleiter Marco Dirren schlug deshalb vor, die Skier bereits in Furi anzuschnallen und über die Stafelalp zum Schwarzsee aufzusteigen, den Pisten 51 und 52 folgend. Auch so kamen rund 750 Höhenmeter zusammen.
«Das ist heute kein Wettkampf, wir wollen alle einfach etwas Spass und Bewegung haben», gab Marco zu Beginn durch. Das kam uns sehr entgegen. So konnten wir uns auf unserer ungestörten Pisten-Begehung (nota bene: kein Gegenverkehr) bald in Zweier- und Dreiergrüppchen aufteilen und uns munter austauschen. Die Piste präsentierte sich bestens präpariert, der Schnee deutlich angenehmer als der harte Untergrund daneben. Guter Dinge zogen wir durch den schattigen Wald, bevor wir bei der Querung von der Piste 51 zur 52 kurz unsere Skitechnik auf hartem Schnee und danach unsere Abfahrtskünste auf präparierter Piste mit befellten Skiern testen konnten.
Nach einer kurzen Pause vor dem geschlossenen Restaurant Stafelalp gewannen wir rasch weiter an Höhe. Bald erreichten wir die Sonne – und stellten ebenso rasch fest, weshalb der Seilbahnbetrieb eingestellt worden war: Ein wilder, stürmischer Wind blies uns um die Ohren, dass wir diese so gut wie möglich einhüllten. Die gefühlte Temperatur sank in den Keller: Marco schätzte sie auf -20C. Die Piste war zunehmend mit Treibschnee überzogen, so manche Pistenmarkierung kippte vor unseren Augen um und das Vorankommen wurde mühsamer – Wind, Licht und Treibschnee machten die Natureindrücke dafür umso intensiver.
Gegen 13.30 Uhr erreichten wir das Restaurant Schwarzsee und freuten uns nicht wenig darüber, dass es geöffnet war und wir hier etwas Wärme tanken konnten. Nun galt es nur noch abzufahren. Ob die Direttissima über Furgg nach Furi (schwarze Piste) wohl geöffnet sein würde? Wir hinterfragten die Situation nicht allzu sehr und verliessen uns auch hier auf die gute Arbeit des Pistendienstes vom Vorabend. Und tatsächlich: Wir trafen königliche Verhältnisse an: Alleine auf weiter Piste sausten wir hinunter, zusätzlich beflügelt von der Aussicht auf einen gemütlichen Tourenausklang in warmen vier Wänden. Diese fanden wir schliesslich im Bahnhofsbuffet.
Ein herzliches Dankeschön an Marco, dass er uns an diesem Berchtoldstag so richtig auf Touren gebracht hat!
Tourenleiter: Marco Dirren
Teilnehmer: Andrea Dirren, Igor Fenn, Johannes Terhaar, Belinda Casparis, Arndt Mielisch
Bericht: Arndt Mielisch
Fotos: alle
